Klar. Aber warum?
Ulis Gedankenwelt(en)

Sind Boards repräsentativ? 9. Oktober 2012

Boards & Foren zum Meinungsaustausch gibt es wie Sand am Meer. Eine tolle Sache – kann man meinen, wenn man auf den ersten Blick so durch das Netz surft. Nun ist es aber keineswegs so, dass es je Thema / Hobby / Vorliebe etc. nur ein Board gibt, sondern durchaus mehrere.
Spätestens jetzt wird der Segen des Internets zum Fluch – welches ist für meine Zwecke (besser) geeignet? Oder sollte ich gar beide parallel nutzen?

 

Mehrere Boards zu einem Thema – warum?

Dazu stellt sich die Frage, warum es überhaupt mehrere Boards & Foren je Thema bzw. Themenbereich gibt. Vielleicht ergänzen sie sich. Der eine Betreiber (Anbieter) deckt Themen oder Angebote ab, die für den anderen nicht relevant sind. Oder man stellt sich breiter auf / spezialisiert sich eher, stattet die Plattform mit Zusatz-Optionen wie Blog, Chat, Teamspeak aus – ach, es gibt so viele Unterschiede.
Nicht zu vergessen, wie gut so ein Board gepflegt wird, wie sicher es ist, wie gut es frequentiert wird, wie es sich mir optisch präsentiert und von welcher Qualität die Einträge sind.

Es gibt also jede Menge Möglichkeiten, Diskussionsforen zu ein und demselben Themenkomplex differenziert zu präsentieren und ein attraktives Angebot darzustellen. Damit bekommt man durchaus auch Nutzer, die bereits im einen Board aktiv sind, in das eigene Board. Wer sich in seinem Hobby / Themenbereich gern und gut engagiert, sucht vielleicht auch so Vielfältigkeit.

 

Theorie und die traurige Praxis

War bis dahin in der Theorie alles noch halbwegs verständlich und nachvollziehbar, belehrt mich die Praxis mitunter eines besseren. Dabei begebe ich mich in die Tiefen der Webradioszene.

Hier habe ich Plattformen kommen und gehen sehen sowie – recht unterhaltsam, wenn es nicht so tragisch wäre – eine streitbare Trennung erlebt, die in einer Verdopplung der Boards mündete. Nun gut, dass Webradios schließen und eine Rumpfmannschaft des Ex-Senders sich zusammentut, um ein neues, natürlich besseres Radio zu gründen, ist fast schon als üblich anzusehen. Auch die Variante, dass man sich bei einem Radio in die Haare gerät und ein Haufen Abtrünniger (ersatzweise: der ehemalige Mitbegründer) sich absplittet, um ein neues Radio gleicher Couleur zu gründen, ist zwar wenig sinnvoll, aber mittlerweile leider schon fast ein Stück Normalität. Die Tatsache, dass dann kurze Zeit später beide Radios den Bach runtergehen (was wiederum mindestens eine andere Neugründung nach sich zieht), kann dem Kenner der Szene auch nur noch ein müdes Lächeln entlocken.

Dass solche Szenarien sich aber auch in der Forenwelt abbilden, ist a) ob der Szene nicht weiter verwunderlich oder b) einfach nur albern? Ich kann mich nicht entscheiden und rege eine Diskussion an, ob Boards & Foren zu einem Themengebiet Rückschlüsse auf die Szene zulassen oder gar teilrepräsentativ sind. Wäre das so, käme ich stellenweise zu erschreckenden Ergebnissen.

Zurück zum doppelten Board: Es war einmal… nein, kein Märchen, sondern neben einem ohnehin schon bestehenden Board im Webradiobereich ein weiteres, das sich zum Ziel gesetzt hatte, dass es dort gesitteter und vor allem freundlicher zugehen möge. Quasi eine Art Ponyhof-Oase in der Haifischbecken-Welt der Webradios. Schön, von mir aus, ein gutes Beispiel für Ergänzung – was man in dem einen Board nicht will, kann man ruhigens Gewissens auf das andere abschieben. Ja, man durfte sich sogar froh schätzen, eine Art Entsorgungsplatz für die Nutzer, die in dem einen Board nicht so willkommen waren, gefunden zu haben.
Eines schönen Tages dann tat es einen Schlag und die Führungsriege war zerstritten. Prompt gab es nun ein zweites Board mit nahezu identischem Namen (was so ein Bindestrich nicht alles ausmachen kann) und Varianten in der TLD. Opfer war – wie so häufig – der Nutzer, der erst mal gar nicht wusste, was los war. Der Rest ging in einem öffentlich ausgetragenen Streit über geklaute Datenbanken mit Foreninhalten oder Nutzerdaten unter, und Nutzer schrieben offen, in welchem Board sie warum zukünftig weiter schreiben würden. Andere meldeten sich in beiden Boards an. Ein Kindergarten par excellence.

Muss das wirklich sein – und: Welche Außenwirkung hat das?
Tat es wirklich Not, zwei nahezu identische Boards zu führen? Welchen Mehrwert haben die Nutzer innerhalb der Szene davon?

 

Ist eine Szene so „schlimm“ wie ihre Boards?

Es stellt sich mir erneut die Frage, ob solche Szenarien repräsentativ für die Szene sind. Soll heißen: Ist die Szene genauso schlimm wie die Boards um sie?

Manchmal möchte man meinen: Ja. Aber dann dürfte ich keine Tiere halten, nicht esoterisch angehaucht sein oder an Autos schrauben. Und die Gamer-Szene ist dann noch mal ein (Kindergarten-)Kapitel für sich. Da wird es rein forentechnisch kaum besser aussehen. Deshalb sind das aber keine schlechten Hobbys, bloß weil das ein oder andere Board sich denkbar schlecht präsentiert.

Trotzdem sind es, wie so oft, die Negativbeispiele, die den Eindruck von einer Szene prägen. Selbst als kritischer Beobachter der Webradioszene trifft mich doch das ein oder andere, was mir die Welt der Foren offenbart. Sogar einen virtueller Pranger, bis dato eher unvorstellbar, habe ich bereits entdeckt. Aber sind wirklich alle in der Szene so?

Sicher nicht, aber die positiven Beispiele bleiben nicht so nachdrücklich hängen.

Das Internet ist frei, eine Regulierung findet nicht statt. Wir haben eine Meinungsfreiheit, die an den entsprechenden Gesetzen ihre Grenzen findet. Von dieser Meinungsfreiheit wird gern Gebrauch gemacht und die Grenzen werden nicht schnell genug erkannt geschweige denn respektiert.

Die Versuchung, von einem Themenboard auf die gesamte thematisierte Szene zu schließen, ist groß. Aber nicht immer gerechtfertigt. Trotzdem sollten sich Boardbetreiber ihrer Verantwortung bewusst sein. Ein Board ist nun mal kein Spielplatz und sollte nicht so mal eben nebenbei eröffnet werden. Die öffentliche Wahrnehmung ist mitunter größer als gedacht.

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